Touren - Tiere - Technik

Keinen Bammel vor der Bimmel

(Bilder folgen)

Diese Tour ist eine Rundfahrt, bei der es etwas auf die Glocke gibt - natürlich nur im übertragenen Sinne. Wir verlassen unseren Startort Ilmenau auf der Bundesstraße 87 in Richtung Weimar. Die meist gerade verlaufende Strecke führt uns ins Ilmtal. In nicht mal einer Viertelstunde reiten wir bereits in Stadtilm ein.

Hier wird nicht nur Geschirr- und Weichspüler für die fleißige Hausfrau hergestellt, der Ort rühmt sich sieben Wunder. Das sind der größte Zinsboden Thüringens, ein Speichergebäude des ehemaligen Zisterzienser-Nonnenklosters, der größte Marktplatz Thüringens, die "Krypta" im Rathaus, die Stadtmauer mit Bastionen und Türmen, eine nicht mehr vorhandene 500 Jahre alte Klosterlinde (musste 1938 gefällt werden) und die höchste Brücke Thüringens. Sie verband in 396 Metern Höhe die Doppeltürme der Stadtkirche "Sankt Marien". Sie wurde zwischen 1899 und 1903 entfernt, ist jedoch noch Bestandteil des Stadtwappens. Das siebte Wunder ist schließlich die "höchstschwimmende Ente". Das Relief sollte als Wasserstandmarke an die Thüringer Sintflut von 1613 erinnern. Es befand sich ursprünglich am Kellertor neben dem Gasthaus "Zur Ente" in einer Höhe von über zwei Metern.

Genug gewundert, wir rauschen schon auf gerader Strecke Kranichfeld entgegen. Auf einem Bergvorsprung linkerhand thront die mächtige Ruine des Oberschlosses. Am 6. April 1934 brannte es dort. Es wird gemunkelt, es sollte ein Heißabriss werden, damit der klamme Besitzer eine beträchtliche Versicherungssumme kassieren konnte. Daraus wurde nichts und das schöne Schloss war futsch. Anfang der 1980er Jahre spuckten Kranichfelder beherzt in die Hände, um zu retten, was noch zu retten war. Das Wahrzeichen der Oberschlosses ist der Leckarsch. Der Sage nach gab es ein Streit zwischen zwei Brüdern um das Schloss.

Kaum haben wir Kranichfeld hinter uns gelassen, sehen wir in Tannroda auf der rechten Seite schon wieder ein dickes Gemäuer stehen. Ein rund 22 Meter hoher Bergfried schaut ins Land. Doch während der mit Kupferdach bemützte Turm und das Korbmachermuseum in einem Laubenganggebäude zumindest während der schönen Jahreszeiten öffentlichen Aufmerksamkeit finden, fristet das so genannte Blaue Schloss als wichtigstes Gebäude des ganzen Ensembles weiterhin ein Schattendasein.

Aber schon fahren wir auf ein wunderliches Ortschild zu: München. Diese kleine Ansiedlung vor den Toren der Kurstadt Bad Berka hat wahrlich nichts gemein mit der bayerischen Landeshauptstadt.

Kurz darauf passieren wir das Ortschild von Bad Berka. Die Geschichte des Kurwesens und der bereits 1813 gegründeten Badeanstalt Berka ist, wie vieles in Thüringen, eng mit dem Wirken Goethes verbunden. Kein Wunder, Weimar ist nur einen Katzensprung entfernt. Bad Berka punktet bei Kurgästen und Urlaubern vor allem durch sein mildes Reizklima, das heilende Wasser des Goethebrunnens sowie die medizinische Kompetenz zweier hochmoderner Akut- und Rehabilitationskliniken.

In Bad Berka biegen wir in Richtung Apolda ab. Die Straße ist als Bundesstraße 87 ausgewiesen, bestens saniert, aber bis kurz vor Oettern oftmals nur breit wie ein Handtuch. Nach etwa sechs Kilometern erreichen wir Buchfart.

Besondere Sehenswürdigkeiten des 176-Seelen-Ortes sind die überdachte Holzbrücke über die Ilm und die daneben liegende Wassermühle. Die Brücke wurde 1613 erbaut, hat eine Länge von 43 Metern, eine Breite von 3 Metern und eine Höhe von 3,05 Metern. Auch eine Burg gibt es. Burg Buchfart ist die einzige Höhlenburg in Thüringen. Die Höhlenburg befindet sich in 40 Metern Höhe über der Ilm. In den Felsen wurden ehemals zwölf Kammern getrieben, wovon noch neun Kammern erhalten blieben.

Wir fahren weiter, unterqueren bald bei Mellingen die Autobahn 4 und stoßen dann bei Umpferstedt auf die Bundesstraße 7. Die Kreuzung ist ampelgeregelt. Wir biegen nach rechts ab und verlassen im nächsten Ort (Frankendorf) die Bundesstraße nach links in Richtung Kapellendorf. Auf einer schmalen holprigen Straße nähern wir uns der am besten erhaltenen Wasserburg Thüringens.

Das trutzige Gemäuer hat seine Ursprünge im 8. Jahrhundert. Von hieraus versuchten Feldherren vergeblich, das Blatt der Schlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 zu wenden. Preußen und Sachsen verloren gegen die Truppen Napoleons. Im Burgmuseum wird dies Geschichte der Schlacht in einem wahrlich originellen Video nacherzählt. Das sollte sich kein Besucher entgehen lassen.

Nun steuern wir Apolda an. Dort fahren wir immer geradeaus und orientieren uns dann an einem Kreisel nach den Hinweisschildern zu Landratsamt und Museum. Wir sehen eine Gegend, die ihre Blütezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte. Der Zusammenbruch eines Industriezweiges (Apolda war berühmt für seine Strickwaren) hat seine Spuren deutlich hinterlassen. Viele, aber nicht alle wurden in Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2017 beseitigt.

1722 begann die Tradition des Glockengießens in Apolda. Das 1952 gegründete Apoldaer Glockenmuseum zeigt die Kulturgeschichte der Glocke von den Anfängen bis zur Gegenwart. Die Exponate der Ausstellung dürfen nicht nur angefasst, sondern auch angeschlagen werden.

Das Stadtmuseum im gleichen Haus widmet unter anderem der Geschichte der Apoldaer Textilindustrie großen Raum. Die Wirkerei und Strickerei war mehr als 400 Jahre der Haupterwerbszweig der Apoldaer wie auch der Menschen in den umliegenden Ortschaften. Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite führen einige Treppen zu einer original Mehrzweckbaracke aus DDR-Zeiten, in der Zeugnisse der verflossenen Republik zu sehen sind.

Es gibt eine Fülle an Ausstellungsstücken vornehmlich aus den 60er und 70er Jahren. Sie geben punktuell Einblick in das frühere DDR-Alltagsleben, ohne den Besucher aufdringlich eine Meinung vorgeben zu wollen. So ist der Betrachter zwischen Schmunzeln und Nachdenklichkeit hin und her gerissen.

Jetzt wäre Zeit, den Magen auch etwas zu beschäftigen. Am Wochenende ist das in der Stadt nicht einfach, auch wenn der Markt adrett aussieht und eine gastliche Stätte sein eigen nennt. Wir sparen uns den Weg, werfen das Mopped an und halten irgendwo auf der Strecke Richtung Magdala an einer lauschigen Dorfgaststätte.

Über Magdala geht es nach Blankenhain und dort auf die Bundesstraße 85. Die fahren wir in Richtung Rudolstadt bis der Wegweiser nach Großkochberg kommt.

Der Abstecher zum gleichnamigen Schloss ist lohnenswert. Das erstmals 1125 urkundlich erwähnte Wasserschloss, eine einfache Dreiflügelanlage der Spätrenaissance mit dem "Hohen Haus", und der große Park wurden weltberühmt duch die Liebesbeziehung von Johann Wolfgang von Goethe zu Charlotte von Stein. Von 1775 bis 1788 eilte der junge Dichter oft zum Schloss. Bis nach 1945 wohnte noch eine von Stein hier, bis sie dann weggeekelt wurde. Das Interieur blieb jedoch bis heute fast vollständig erhalten und ermöglicht einen einzigartigen Blick in ein doch bescheidenes herrschaftliches Dasein. Neben dem Hohen Haus steht das nicht minder bekannte Liebhabertheater.

Es wird spät. Also geht es wieder zurück zur Bundesstraße 85 und dort links ab weiter gen Rudolstadt. Keine zwei Kilometer später weist ein Schild nach Remda. Wir biegen auf die etwas unebene Landstraße ein und reiten bis nach Dienstedt zur Bundesstraße 87. Wer jetzt großen Hunger verspürt, sollte unbedingt in die dortige Lokalität direkt an der Bundesstraße (von Remda kommend rechts abbiegen) einkehren.

Ob mit vollem oder mit leeren Magen - über Stadtilm geht es wieder zurück nach Ilmenau.

Strecken-Guide

Die Route - online

Typ: Tagestour

Strecke: 170 km

Zeit: 8 Stunden


Bild "Touren:karte_glocke.jpg"Es ist nicht gestattet, Kartenmaterial aus Routen-planern zu veröffent-lichen. Diese Lösung ist auch nicht übel: Ein Klick auf den Button führt zu motoplaner.de. Das ist ein geniales Online-Tool zum Tourenplanen. Die Touren können auch exportiert werden.




Die Route - offline

Bild "Touren:download.gif"Auf das Icon klicken und die Tour als Route für aktuelle Navigations-geräte von TomTom und Navigon oder für den Import in PC-Routenplaner herunterladen. Zum Konvertieren in andere Formate empfehle ich den RouteConverter.

Glocken- und Stadtmuseum Apolda

Das Apoldaer Glockenmuseum zeigt die Kulturgeschichte der Glocke von den Anfängen bis zur Gegenwart. Das Schöne darin sind nicht nur imposante Glocken, sondern dass man selbst nach Herzenslust bimmeln darf und soll.


Glocken- und Stadtmuseum

Bahnhofstraße 41


Fon 03644 - 650331

Fax 03644 - 650326

Mail glockenmuseum@apolda.de

Web www.glockenmuseum.de


Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag: 10 - 18 Uhr

Montag Ruhetag


Museumsführungen sind auf Anfrage jederzeit möglich, auch montags.


Eintrittspreise

Erwachsene: 2,50 Euro

ermäßigt: 1,50 Euro

Familienkarte: 6,00 Euro

Gruppen: 1,50 Euro pro Person



Touristische Kontakte


Touristinformation Stadtilm

Straße der Einheit 3

99326 Stadtilm


Fon 03629 - 802506

Fax 03629 - 668812

Mail touristinfo@stadtilm.de

Web www.stadtilm.de


Falknerei Schütz

Niederburg

99448 Kranichfeld


Fon 036450 - 44191

Web www.falkenhof-kranichfeld.de


Flugvorführungen*

April - Oktober

Dienstag bis Sonntag: 15 bis 16 Uhr

(zusätzlich für Gruppen und Schulklassen von 11 bis 12 Uhr nach Voranmeldung)

(*Angaben ohne Gewähr)


Touristinformation Kranichfeld

Baumbachplatz 1

99448 Kranichfeld


Fon/Fax 036450 - 42021

FOn 036450 - 19433

Mail kranich-tour@kranichfeld.de

Web www.kranichfeld.de


Thüringer Korbmachermuseum

Lindenberg 9 (Schloss)

99438 Bad Berka OT Tannroda


Fon 036450 - 30683 oder 30744

Web tannroda.bad-berka.de


Öffnungszeiten

Sonnabend - Sonntag: 13 -16 Uhr

Mittwoch - Donnerstag: 9 - 13 Uhr

sowie nach Vereinbarung

Winterpause: November bis März


Sonnabends kann man einem Korbmachermeister bei der Arbeit zusehen. Auch Turmbesteigung und Kirchenbesichtigung sind möglich.


Kurverwaltung Bad Berka

Goetheallee 3

99438 Bad Berka


Fon 036458 - 579-0 oder 19433

Fax 036458 - 579-99

Mail info@bad-berka.de

Web www.bad-berka.de


Schlossverwaltung Wasserburg Kapellendorf

Am Burgplatz 1

99510 Kapellendorf


Fon/Fax 036425 - 22485

Mail wasserburg-kapellendorf@t-online.de

Web www.wasserburg-kapelledorf.de


Öffnungszeiten

Burggelände:

täglich von 9 - 20 Uhr


Burgmuseum:

Dienstag - Freitag:

9 - 12 Uhr und 13 - 17 Uhr

Samstag/ Sonntag:

10 - 12 Uhr und 13 -17 Uhr

Montag geschlossen


Eintrittspreise

Erwachsene: 1,50 Euro

ermäßigt: 0,75 Euro

kein Eintritt für Burggelände

Kostenloser Eintritt jeden 1. Samstag im Monat


Museumsbaracke "Olle DDR"

Bahnhofstraße 42 (gleich hinter dem Kunsthaus)

99510 Apolda


Fon 03644 - 560021

Web www.olle-ddr.de


Öffnungszeiten

April bis Oktober

Dienstag - Sonntag: 10 - 18 Uhr


November bis März

Dienstag - Sonntag: 10 - 17 Uhr


Eintrittspreise

Erwachsene: 1,50 Euro

ermäßigt: 1,00 Euro

Kinder bis 8 Jahren, Schüler, Studenten: frei

Gruppen ab 8 Personen: 1,00 Euro pro Person


Tourist-Information Apolda

Markt 1

99510 Apolda


Fon 03644 - 650100

Fax 03644 - 650518

Mail touristinformation@apolda.de

Web www.apolda.de


Museum Schloss Kochberg

07407 Großkochberg


Fon 036743-22532

Web www.grosskochberg.de

Web www.liebhabertheater.com


Öffnungszeiten

April - Oktober

Dienstag - Sonntag: 9 - 18 Uhr

Montag Ruhetag


November - Dezember

Mittwoch - Sonntag: 10 - 16 Uhr

Montag und Dienstag Ruhetag


Januar - März geschlossen



Sagenhaftes


Der Leckarsch

Der Leckarsch von Kranichfeld ist eine so genannte Drolerie aus dem 16. Jahrhundert.


Der Sage nach stritten sich zwei Brüder um den Besitz des Oberschlosses. Der Jüngere zog schließlich in die Ferne, zeigte zuvor in die Richtung, wo heute die Niederburg steht, und sagte, wenn er zurückkomme, werde er dort eine Burg bauen. Der Ältere rief höhnisch: "Wenn dir das gelingt, werde ich mich am Arsch lecken!"


Dumm gelaufen - der Jüngere kam irgendwann zurück und baute seine Burg. Nun musste der Ältere das Unmögliche tun. Bei der Verrenkung kam er ums Leben. Der jüngere Bruder ließ zum Andenken an diese Begebenheit den älteren Bruder in der gezwungenen Stellung in Stein gehauen abbilden.



Alle Angaben ohne Gewähr, bitte vor der Tour die aktuellen Informationen auf den Webseiten checken.
Diese Seite verwendet keine Kekse. Damit krümelt man ja nur die Tastatur voll. Ich bevorzuge Donauwelle. Rezepte sind im Internet leicht zu finden. Und hier sind meine Anmerkungen zum Datenschutz.