Touren - Tiere - Technik

Ein Freizeitspaß namens Quadix Buggy 800

Bild "Buggy:buggy01.jpg"
Unser Buggy steht in Februar 2014 auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes in Arnstadt.
Als ich im Spätsommer 2013 meine FJR 1300 verkaufte, stand bereits fest, dass ein neuer motorisierter Freizeitspaß gefunden werden muss. Eher zufällig geriet ich auf die Web-Seite von Quadix. Das Metier des Bamberger Unternehmens sind Quads und ATVs. Auch Geräte des chinesischen Herstellers Xingyue gehören zum Programm. Die Chinesen haben einen Buggy entwickelt, der optisch Anleihen beim legendären Willy-Jeep aus den 40er Jahren nimmt. Die Bamberger importieren die Maschinchen, machen sie für den hiesigen Markt (sprich: StVO) fit und vertreiben sie unter dem Namen "Quadix".

Also tigerte ich nach Bamberg, um mir das Ganze vor Ort anzuschauen. Danach stand fest: So einen Buggy musst du haben. Am 17. Februar 2014 stand ein feuerrotes Mobil schließlich in meiner Garage. Am 20. Februar 2014 hatte der Buggy dann seine Zulassung - als Ackerschlepper. Der Mann auf der Zulassungsstelle war eine gefühlte Stunde damit beschäftigt: zahlreiche Ausnahmegenehmigungen zu studieren und umfangreiche Eintragungen vornehmen.

Die Kennzeichen waren fix montiert. Hinten in der für europäische Verhältnisse einen Zentimeter zu knappen Mulde wurden vier Löcher gebohrt. Die Kennzeichenhalterung befestigte ich mit Blechtreibschrauben. Zwischen Halterung und Blech steckte ich noch Distanzscheiben aus Plaste. Vorne legte ich den Karabinerhaken der Seilwinde quer und befestigte die Kennzeichenhalterung an der Plasteverkleidung der Stoßstange.

Nun schnappte ich mir noch Warnweste, Warndreieck und Verbandsmaterial und startete - dick angezogen - zur ersten Proberunde.

Bild "Buggy:buggy02.jpg"
Posing der Beifahrerin. Gut, dass wir noch nicht unsere Motorradsachen verkauft hatten.
Wie gesagt: Es geht um einen Freizeitspaß, nicht um ein technisches Highlight. Der verbaute 0,8-Liter-Matiz-Motor (Daewoo/Chevrolet) ist klein und für seine Verhältnisse recht durstig. Steile Anstiege sind für ihn eine Quälerei. Vier Gänge treiben den Buggy vorwärts. Wer zügig fahren will, darf dabei nicht schaltfaul sein. Die Schaltung selbst ist geschmeidig. Im kalten Zustand (5 Grad plus Außentemperatur) tourt der Motor sehr hoch. Das Triebwerk sitzt hinten und treibt dort auch gleich die Räder an. Der Kühler sitzt vorn - und läuft noch gut eine Minute mit Gebrüll nach, wenn der Buggy abgestellt wird. Das ist gewöhnungsbedürftig.

Der Buggy-Motor schluckt bleifreies Super-Benzin - aber kein E10! Der Tank befindet sich vorn und fasst nur mickrige 22 Liter, obwohl für einen größeren Tank Platz vorhanden wäre. Zudem liegt der Einfüllstutzen des Tanks sehr niedrig. Matzerei mit aus der Zapfpistole laufenden Sprit ist programmiert. Der Verbrauch wird irgendwo zwischen 7 und 8 Litern angegeben.

Die erste Runde: Die Sportsitze sehen schick aus, machen den Bandscheiben jedoch etwas Angst. Als 1,90-Meter-Mann muss ich eine Art Töpfchen-Stellung einnehmen. Das klingt unbequem - und ist es auf Dauer auch. Inzwischen wirbt Quadix damit, dass in die Buggys auch 1.90-Meter-Männer passen würden. Trotzdem: Die Bandscheiben haben sich zwar nicht beschwert, aber die Magengegend ist eingezwängt. Wenn der Magen mit einem Mittagessen zu kämpfen hat, tut er nach einer Weile weh.

Bild "Buggy:buggy_netzkater.jpg"
Unser Buggy auf dem Parkplatz am Netzkater, dem Tor zum Harz. Links geht es nach Braunlage, rechts führt der Weg nach Wernigerode.
Nachdem die Türen scheppernd ins Schloss gefallen sind, geht es los. Der Buggy zieht aus dem Stand gut durch. Da er keine Servolenkung hat, muss der Fahrer schon kräftig zugreifen. Andererseits reagiert die Lenkung über das kleine Lenkrad sehr direkt. Ein Ruck zu viel könnte bei höheren Geschwindigkeiten durchaus einen Überschlag provozieren. Der Buggy verlangt permanente Konzentration beim Fahren.

Die grobstolligen Reifen sind zwar fürs Lenken bei geringer Geschwindigkeit (z.B. beim Einparken) hilfreich. Bei höherer Geschwindigkeit sorgen sie für Unruhe, ganz abgesehen von dem Lärm, den sie verursachen. Mit 100 Sachen über die Landstraße und dann plötzlich starker Seitenwind - das kann Schweiß auf die Stirn treiben. Wer wie ich den Buggy als Spaßmobil auf der Straße und nicht im Gelände nutzen will, sollte über alternative Bereifung nachdenken.

Fazit nach den ersten 100 Kilometern: Der Buggy macht Spaß und zieht die Blicke auf sich. Das Gefährt ist solide zusammengebaut, hat aber nach meinem Geschmack noch Nachbesserungspotenzial. Da es kein Handbuch zum Buggy gibt (lediglich ein paar A4-Ausdrucke), sollten sich nur technisch halbwegs begabte Menschen solch ein Mobil zulegen.

Nachtrag: Inzwischen stehen auf dem Tacho über 8000 Kilometer. Ich habe auf Sommerreifen umgerüstet. Damit liegt das Gefährt deutlich sicherer auf der Straße und der Benzinverbrauch sinkt. Derzeit liegt er bei 6,5 Liter. Die Maschine macht ordentlich Betrieb und kommt auch an Anstiegen gut mit. So leicht hängt uns keiner ab. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 110 Sachen bei 5000 Umdrehungen schnurrt der Buggy regelrecht entspannt über die Straße.

Bild "Buggy:buggy_stolberg.jpg"
Der rote Floh steht in der Hauptstraße des bezaubernden Harz-Städtchens Stolberg.
Da meine Beifahrerin und ich nur bei schönem (trockenen) Wetter unterwegs sind - das aber bei jeder Gelegenheit - müssen die Gelenke der Radaufhängungen nach meiner Erfahrung nicht so oft gefettet werden. Ein Intervall von 1000 Kilometern ist nach den bisherigen Erfahrungen ausreichend.

Mit der Zeit hat sich aber hier und da ein Knarzen und Quietschen eingestellt. Bei der Lenkung bringt Grafitöl etwas Abhilfe. Den Rest sehen wir halt sportlich.

Weniger schön war, dass der Kühler plötzlich undicht wurde. Na ja, kann mal passieren. Und wir sind ja deswegen auch nicht unterwegs liegen geblieben. Ich hatte es beim Abfetten entdeckt. Bei Quadix hat man sofort sehr zuvorkommend reagiert und einen neuen Kühler zur Verfügung gestellt. Auch die Arbeitsleistung der Werkstatt wurde übernommen. Als etwas später auch noch der Anlasser zickte, reagierten die Bamberger in gleicher Weise. Daumen hoch für diesen klasse Service.

Willst Du auch haben? Musst Du hier klicken...

Bild "Buggy:quadix.png" Wer ebenfalls mit einem Quadix-Buggy liebäugelt, kann sich auf der Web-Seite des Bamberger Unternehmens auf dem Laufenden halten. Hier gibt es auch eine Liste der Händler. Es werden immer mehr. Und womöglich ist ja auch ein Händler in Deiner Nähe - für eine Sitzprobe...